25. Februar 2020 / Allgemeines

Ökokonto der Stadt Sundern: vom tiefen Minus ins deutliche Plus

Handlungsspielraum bei der Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete wächst

 

Sundern

Nur mit einem Ökokonto kann die Stadt, die bei den Bauleitplanverfahren durch die Ausweisung von neuen Wohn- und Gewerbegebieten, rechtlich zulässigen Eingriffe in die Natur und Landschaft kompensieren. Einfach gesagt: ohne Ökopunkte wird’s schwer mit dem Bauen. Eine Belastung die seit 2016 schwer auf der Stadt lag. Sundern war die einzige Stadt im HSK die eine negative Ökokonto-Bilanz hatte. Zum 31.12.2017 betrug es minus 37.814 Punkte. Jeder Minuspunkt bedeutet nicht nur große Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Bauvorhaben, sondern stellt pro Punkt auch einen Wert von 1,70 € dar.  Für die Verwaltung eine schwere Hypothek: „Der Wert an sich wäre schon belastend genug gewesen, aber die Aussicht keinerlei Bauplanungen mehr durchführen zu können, war mehr als belastend. Daher hatte ich das Ökokonto schon mit Amtsübernahme kritisch im Auge und konnte, dank unseres Umweltschutzbeauftragten Dieter Leser, direkt entsprechende Maßnahmen einleiten“, so Bürgermeister Brodel.

Durch realisierte Maßnahmen an ökologisch bedeutsamen Bereichen/Flächen, wie z.B. durch die Renaturierung großräumiger Auenflächen, wie die Gewässerentwicklung „Lange Erlen“ in Hachen, konnte das drängende Problem gelöst werden.  Hinzu kamen vielfältige kleinere Massnahmen, die  aus naturschutzfachlicher Sicht das Ökokonto vom tiefen Minus langsam wieder ins Plus gehoben haben. „Und nicht nur unser Konto hat sich verbessert, sondern eben auch und vor allem die Natur“, so Brodel.

Aus der Historie:

In den 1990er Jahren war das städtische Ökokonto durch viele Kompensationsmaßnahmen im Wald, wie z.B. die Fällung/Herausnahme von Fichten aus Waldsiepen und Bachtälern „prall gefüllt“. Dieser positive Saldo wurde durch den Bebauungsplan A 26 „Ferienhausanlage Amecke“ aufgebraucht. Die Errichtung des „Ferienparks“ zog ein Kompensationserfordernis von 240.294 Punkten nach sich, womit der komplette Vorrat des Kontos im Jahr 2009 aufgebraucht wurde und darüber hinaus das Konto „vom Haben ins Soll gefallen ist“. Ab diesem Zeitpunkt erfolgte die Kompensation von Eingriffen über den sogenannten Flächenpool. In diesem Pool sind Ausgleichsmaßnahmen erfasst, die von der Fachbehörde (UNB) als ökologisch sinnvoll bewertet wurden, aber von der Stadt noch nicht umgesetzt sind. Mit Duldung der Naturschutzbehörde des Hochsauerlandkreises (UNB) wurde die Kompensation der Eingriffe zwischen 2010 und 2017 über den Flächenpool abgewickelt und im Nachgang umgesetzt. Aufgrund dieser Übereinkunft mit dem HSK konnte die Bauleitplanung der Stadt in den Folgejahren weitergeführt werden, ohne Ökopunkte extern zuzukaufen. Da die Stadt im Jahr 2016/2017 als einzige Stadt im HSK eine negative Ökokonto-Bilanz hatte – am 31.12.2017 minus 37.814 Punkte! – wurde dies seitens der UNB angemahnt und ein kurzfristiger Ausgleich des Ökokontos gefordert. Bei zukünftigen Bauleitplanungen werde der HSK im Plangenehmigungsverfahren die Zustimmung verweigern, wodurch in der Stadt Sundern eine zielorientierte Stadtentwicklung und Bauleitplanung (z.B. Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete) nur noch durch einen umfangreichen Zukauf von externen Ökopunkten sicherzustellen gewesen wäre. „Diese Entwicklung erkennend“, so der Bürgermeister,“hat die Verwaltung bereits frühzeitig in ihre Agenda die weitere Generierung von Ökopunkten im Stadtgebiet aufgenommen, um so einerseits die Natur und Landschaft im Stadtgebiet aufzuwerten und andererseits keine Ökopunkte z.B. von Nachbarstädten zu erwerben und so den Haushalt mit mittleren sechsstelligen Euro-Beträgen zu belasten. Die Arbeit der Fachabteilung, aber insbesondere die Arbeit von Herrn Leser, hat dies, mit viel Wissen und Können angepackt und eine positive Entwicklung eingeleitet“

Im Zuge der ökologischen, nachhaltigen und weitsichtigen Flächenbewirtschaftung hat die Stadt Sundern daher bereits durch den Grunderwerb „Lange Erlen“ in den Jahren 2010 – 2012 und der ökologischen Optimierung des Geländes „Lange Erlen“ südlich der Ortslage Hachen in den Jahren 2016 bis 2018 (siehe oben) die Grundlagen geschaffen, einen Ausgleich des Kontos zu erzielen und darüber hinaus ein positives Saldo aufzubauen. Flankierend hierzu wurden durch die Gewässerentwicklung der Röhr in der Ortslage Hachen (2.Bauabschnitt), der umfangreichen Erweiterung von zwei Kompensationsflächen im Stadtwald sowie der Revitalisierung und Reaktivierung der „Apfelhof Am Franziskus/Bergstraße“ die Handlungsfähigkeit bei der Stadtentwicklung und Stadtplanung erhalten und darüber hinaus die Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete für die Zukunft sichergestellt.   

Durch u.a. die Buchungsposten

SU 021  Erweiterung der Wald-Kompensationsfläche                                     +   32.200 Ökopunkte
SU 022  Erweiterung der Wald-Kompensationsfläche                                     +   51.100 Ökopunkte
SU 038  Gewässerentwicklung der Röhr in der Ortslage Hachen, 2.BA      +   17.765 Ökopunkte
SU 040  Waldrandentwicklung Parkplatz K 28                                                      +   18.760 Ökopunkte
SU 041  Weideprojekt „Lange Erlen“                                                                       + 185.800 Ökopunkte
SU 042  Revitalisierung / Reaktivierung „Apfelhof Bergstraße“                   +   36.477 Ökopunkte
 

konnte das zwischenzeitlich auf über 50.000 Ökopunkte angewachsene Defizit des Ökokontos saldiert werden und aktuell zu einem Guthaben von 217.909 Punkten (Stand 31.12.2019) aufgebaut werden.

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