19. Juli 2021 / Aus aller Welt

180 neue Seen in der Schweiz in zehn Jahren

«Sichtbarer Beweis für den Klimawandel in den Alpen»: Das Schmelzen der Gletscher in der Schweiz hat in einem Jahrzent zu unzähligen neuen Gletscherseen geführt.

Michael Plüss, Techniker der Eawag-Abteilung Oberflächengewässer, installiert eine Thermistorenkette auf dem Steisee.

Die Gletscherschmelze in den Alpen hat in der Schweiz allein innerhalb von zehn Jahren 180 neue Gletscherseen entstehen lassen.

Zwischen 2006 und 2016 wuchs die Wasserfläche jedes Jahr um rund 150.000 Quadratmeter (15 Hektar) - «ein sichtbarer Beweis für den Klimawandel in den Alpen», wie das schweizerische Wasserforschungsinstitut (Eawag) berichtete.

Das Institut hat erstmals ein Inventar sämtlicher Gletscherseen angelegt, die seit dem Ende der sogenannten Kleinen Eiszeit um 1850 entstanden sind. Zu dem Zeitpunkt hatten die Alpengletscher ihre größte Ausdehnung der Neuzeit. In den Jahren 1850 bis 2016 stieg die Fläche der Gletscherseen nach Auskunft des Mitautors Nico Mölg im Durchschnitt jährlich um rund 40.000 Quadratmeter (4 Hektar) an - mit stark gestiegener Tendenz in den jüngsten Studienjahren 2006 bis 2016.

Die Liste umfasst insgesamt 1200 Seen, von denen 187 meist durch die Sedimente, die die Gletscher transportieren, wieder aufgefüllt wurden und verschwunden sind. 2016 betrug die Fläche aller bestehenden Gletscherseen etwa 620 Hektar.

«Wir waren überrascht von der schieren Anzahl einerseits und der deutlich beschleunigten Bildung andererseits», sagte Projektleiter Daniel Odermatt. Die Wissenschaftler haben alte Aufzeichnungen, die in die Mitte des 19. Jahrhundert zurückreichen sowie Luftaufnahmen, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts existieren, ausgewertet.

Einer der bekanntesten ist der See in 2800 Metern Höhe auf dem Eis des Plaine-Morte-Gletschers oberhalb von Lenk in den Berner Alpen, wie Odermatt sagte. Er füllt sich im Frühjahr mit Schmelzwasser, das im Spätsommer über einen Bach abläuft. Um plötzliche Entleerungen mit Flutwellen zu verhindern und Ortschaften zu schützen, wurde dort inzwischen ein Kanal zum Ableiten des Wassers angelegt.


Bildnachweis: © Nico Moelg/Eawag/dpa
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